Digital oder analog?

Die sogenannte „Digitalisierung“ ergreift immer mehr Lebensbereiche. Sie ermöglicht schnelle Informationstechniken (Computer, Smartphone, Internet usw.) und Datenverarbeitung. Und sie beeinflusst auch unser Denken bzgl. solch komplexer Vorgänge wie z.B. dem Lernen.

Die Schule [ … ] ist eine Institution, deren Bildungsauftrag im Lehren und Lernen [ … ], aber auch in der Wertevermittlung und in der Erziehung und Bildung zu mündigen, sich verantwortlich in die Gesellschaft einbringenden Persönlichkeiten, besteht.

https://de.wikipedia.org/wiki/Schule (8.5.2020)

Die Schule soll nachhaltig digitalisiert werden, ist fast unisono der Tenor der BildungsministerInnen und vieler WissenschaftlerInnen. Die pädagogische „Kreidezeit“ sei vorbei, ein neues Lernen angesagt.

z.B.: https://taz.de/Digitale-Schulzeit/!5241118/ (8.5.2020)

Mit „Kreidezeit“ ist der Begriff „analog“ verwoben. Gemeint sind damit Kommunikationstechniken, welche keine digitalen Medien verwenden.

  • Schallplatten sind analog. CDs dagegen digital.
  • Sonnenuhren sind analog. Digi-Uhren eben digital.
Von JuergenG – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5918476

Ein Kontinuum ohne Raster

Eigentlich müsste sich eine Uhr nicht in einem Kreis bewegen oder gar rein informationstechnisch Zahlen anzeigen wie eine Digitaluhr, sondern wie das Leben jeden Tag auf einer neuen Ebene beginnen, ähnlich einer Spirale. Diese wiederholt zwar ihren Rundlauf, aber metamorphosiert.

  • Pflanzen wachsen so
  • Tiere und Menschen wachsen so
  • Weisheit entfaltet sich so

Ähnlich funktioniert das (menschliche) Lernen. Es gleicht mehr dem Wachstum lebendiger Wesen als der Datenverarbeitung in einem Computer.

Die „Digitalisierung“ unserer Lebensbereiche ist eigentlich nur die konsequent fortschreitende Mathematisierung und Technisierung unseres Daseins. Sie macht unser Dasein berechenbar, zugänglich für unseren kalkulierenden Verstand.

Aber (menschliches) Lernen ist mehr als ein noch so ausgeklügelter technischer Algorithmus. So kann ein Computer zwar einen Menschen z.B. beim Schachspiel mühelos besiegen, ist aber völlig unfähig, Humor zu verstehen.

Der Ton macht die Musik

Durch digitales Lernen kann niemals das vermittelt werden, was unmittelbar zwischenmenschlich stattfindet. SchülerInnen und LehrerInnen sind keine Informationseinheiten, welche oberflächlich Daten senden und speichern, sondern tiefschichtige Wesen mit Ton und Farbe.

Kein Laptop und kein noch so ausgeklügeltes digitales Klassenzimmer kann die von Herz zu Herz gehende Beziehung zwischen den Menschen (und Tieren) ersetzen.

Die Magie des Lebens findet abseits der (digitalen) Gleise statt!

kind und huhn